Anton Scholz, Marktanalyst und Redakteur bei Bewerta

Autor: Anton Scholz

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GAZ-69: Russischer Jeep und sowjetischer Geländewagen

Der GAZ-69 ist ein sowjetischer Geländewagen mit Allradantrieb, der von 1953 bis 1972 in Serie gebaut wurde. Das robuste Fahrzeug entstand als Nachfolger des GAZ-67 und wurde sowohl militärisch als auch zivil eingesetzt.

Der häufig als "russischer Jeep" oder "Russen-Jeep" bezeichnete GAZ-69 besitzt einen einfachen Vierzylinder-Benzinmotor und eine für schlechte Straßen ausgelegte Konstruktion.

Zu den bekanntesten Versionen gehören der GAZ-69, der viertürige GAZ-69A sowie die stärker motorisierten Varianten GAZ-69M und GAZ-69AM.

Rubrik: Oldtimer Youngtimer Autos

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GAZ-69 russischer Jeep mit AllradantriebPin

GAZ-69 mit Leinwanddach, Zusatzscheinwerfer und Allradantrieb.

Photo credit: granada_turnier "Gaz 69" auf flickr.com, CC BY 2.0 DEED Attribution 2.0 Generic

Was ist der GAZ-69?

Der GAZ-69, russisch ГАЗ-69, gehört zu den bekanntesten sowjetischen Geländewagen der Nachkriegszeit. Seine Konstruktion war auf einfache Wartung, schlechte Straßen und militärische Einsatzbedingungen ausgelegt.

Dafür wurden Starrachsen, Allradantrieb, Geländeuntersetzung und ein vergleichsweise einfacher Benzinmotor verbaut.

Die Grundversion war ein zweitüriger Geländewagen mit bis zu 8 Sitzplätzen. Beim viertürigen GAZ-69A stand dagegen die Personenbeförderung stärker im Vordergrund. Beide Versionen wurden bei Streitkräften, Behörden, in der Landwirtschaft sowie in anderen staatlichen und zivilen Bereichen eingesetzt.

Die verbreitete Bezeichnung "russischer Jeep" beschreibt die Fahrzeugart recht anschaulich, ist technisch aber kein offizieller Modellname. Der GAZ-69 ist eine eigenständige sowjetische Konstruktion.

Erfahrungen mit früheren Geländefahrzeugen wie dem GAZ-67 und mit amerikanischen Militärfahrzeugen beeinflussten die Entwicklung.

Technische Daten des GAZ-69

Die folgenden Angaben beziehen sich überwiegend auf das ursprüngliche Basismodell. Bei späteren Ausführungen und Exportversionen können einzelne Werte abweichen.

Das Basismodell kombiniert rund 55 PS mit Allradantrieb und Geländeuntersetzung. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 90 km/h.
  • Hersteller: Gorkowski Awtomobilny Sawod, später Fertigung bei UAZ
  • Modell: GAZ-69
  • Fahrzeugart: Geländewagen und Kübelwagen
  • Antrieb: Allrad 4 × 4.
  • Serienproduktion: 1953 bis 1972 in der Sowjetunion
  • Motor: 4-Zylinder-Reihen-Ottomotor
  • Hubraum: 2.120 cm³
  • Leistung: etwa 40 kW / 55 PS.
  • Drehmoment: etwa 125 Nm
  • Getriebe: mechanisches 3-Gang-Getriebe
  • Geländeuntersetzung: 2-stufig
  • Höchstgeschwindigkeit: etwa 90 km/h.
  • Länge: 3.850 mm
  • Breite: etwa 1.850 mm
  • Höhe: etwa 2.030 mm
  • Radstand: 2.300 mm
  • Bodenfreiheit: etwa 210 mm.
  • Leergewicht: etwa 1.525 kg
  • Anhängelast: bis etwa 800 kg
  • Reifendimension: 6,50 × 16
  • Vorgänger: GAZ-67 beziehungsweise GAZ-67B
  • Nachfolger: UAZ-469

Geschichte des GAZ-69

Die Entwicklung eines Nachfolgers für den GAZ-67 begann bereits in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre. Erste Prototypen entstanden 1947. Eine weitere Erprobungsserie folgte 1948. Dazu wurden die Fahrzeuge über mehrere Tausend Kilometer auf Straßen und im Gelände getestet.

1951 entstand außerdem ein viertüriger Prototyp, aus dem später der GAZ-69A hervorging. Die Serienfertigung ließ dennoch auf sich warten.

Am 25. August 1953 begann schließlich die Serienproduktion des GAZ-69. Bis Ende dieses Jahres wurden bereits mehr als 1.300 Fahrzeuge gefertigt.

Die Fertigung blieb nur kurze Zeit vollständig in Gorki. Mitte der 1950er-Jahre wurde die Produktion schrittweise zum Uljanowski Awtomobilny Sawod verlagert. Dadurch konnte GAZ zusätzliche Kapazitäten für andere Fahrzeugbaureihen schaffen.

Der Modellname GAZ-69 blieb trotz des Herstellerwechsels gebräuchlich. Fahrzeuge aus Uljanowsk werden deshalb ebenfalls als GAZ-69 und teilweise auch als UAZ-69 bezeichnet.

1972 endete die sowjetische Serienfertigung. Nachfolger wurde der technisch modernere UAZ-469.

Mehr als 600.000 Fahrzeuge wurden gebaut

Beim Produktionsumfang wird der GAZ-69 häufig unterschätzt. In der Sowjetunion entstanden mehr als 600.000 Exemplare in verschiedenen Ausführungen.

Für die sowjetische Produktion werden insgesamt 634.285 Fahrzeuge genannt.

Darunter befanden sich große Stückzahlen des GAZ-69 und des viertürigen GAZ-69A sowie kleinere Serien der späteren Ausführungen GAZ-69M und GAZ-69AM.

Der Geländewagen wurde in 56 Länder exportiert. Dadurch fand er nicht nur innerhalb der Sowjetunion Verbreitung, sondern auch in zahlreichen Staaten Europas, Asiens und anderer Regionen.

Auch in der DDR wurde der Typ eingesetzt. Neben sowjetischen Fahrzeugen gelangten dort zudem verwandte rumänische Modelle in den Bestand.

GAZ-69 und GAZ-69A: die Unterschiede

Die Unterschiede zwischen den beiden wichtigsten Versionen zeigen sich vor allem bei Karosserie, Sitzanordnung und Nutzung.

GAZ-69

Das ursprüngliche Modell besitzt 2 Seitentüren. Neben Fahrer und Beifahrer konnten weitere Personen auf seitlich angeordneten Sitzbänken im hinteren Bereich mitfahren.

  • 2 Türen
  • bis zu 8 Personen einschließlich Fahrer
  • seitliche Sitzbänke im Fond
  • 2 Kraftstofftanks
  • für Personen- und Lastentransport geeignet
  • starke militärische Nutzung

GAZ-69A

Der GAZ-69A besitzt 4 Türen und 2 Sitzreihen. Er war stärker auf den Transport von Personen ausgelegt und bot gegenüber dem Grundmodell einen konventionelleren Innenraum.

  • 4 Türen.
  • 5 Sitzplätze
  • 2 Sitzreihen
  • separater Gepäckbereich
  • 1 Kraftstofftank.
  • militärische und zivile Nutzung

Beide Varianten konnten mit einem faltbaren Leinwandverdeck ausgerüstet werden. Die einfache Karosseriestruktur erleichterte Wartung und Reparatur.


GAZ-69A GeländewagenPin

Der viertürige GAZ-69A wurde militärisch und zivil eingesetzt.

Photo credit: Richard Allen "017 - GAZ 69A" auf flickr.com, CC BY 2.0 DEED Attribution 2.0 Generic

GAZ-69M und GAZ-69AM

Gegen Ende der Produktionszeit entstanden stärker motorisierte Varianten. Der GAZ-69M erhielt einen größeren Motor mit ungefähr 2,4 Litern Hubraum und rund 65 PS. Eine entsprechende viertürige Ausführung wurde als GAZ-69AM bezeichnet.

Damit stieg die Höchstgeschwindigkeit gegenüber dem ursprünglichen 55-PS-Modell leicht an. Grundkonzept, Fahrwerk und Geländeeigenschaften blieben dagegen eng mit dem ursprünglichen GAZ-69 verwandt.

Weitere Ausführungen entstanden für besondere militärische oder klimatische Anforderungen. Dazu gehörten Fahrzeuge mit abgeschirmter elektrischer Anlage sowie verschiedene Spezialaufbauten.


GAZ-69M mit stärkerem MotorPin

Der GAZ-69M erhielt einen stärkeren Motor mit rund 2,4 Litern Hubraum und etwa 65 PS.

Photo credit: Rutger van der Maar "1957 GAZ-69M (ГАЗ-69)" auf flickr.com, CC BY 2.0 DEED Attribution 2.0 Generic

Motor, Getriebe und Allradtechnik

Der ursprüngliche GAZ-69 verwendet einen wassergekühlten 4-Zylinder-Reihenmotor mit 2.120 cm³ Hubraum. Das Triebwerk basiert konstruktiv auf Technik, die auch beim Personenwagen GAZ-M20 Pobeda verwendet wurde.

Mit rund 55 PS wirkt die Motorleistung aus heutiger Sicht gering. Für den Einsatzzweck standen jedoch weniger Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit als niedrige Drehzahlen, einfache Reparaturen und Geländefähigkeit im Vordergrund.

Die Kraftübertragung erfolgt über ein mechanisches 3-Gang-Getriebe. Der 1. Gang ist nicht synchronisiert. Zusätzlich besitzt der Geländewagen ein Verteilergetriebe mit Geländeuntersetzung.

Das Fahrwerk mit Starrachsen und Blattfedern ist robust aufgebaut. Zusammen mit rund 210 mm Bodenfreiheit und dem kurzen Radstand von 2.300 mm konnte sich der Wagen auf schlechten Wegen erheblich besser bewegen als gewöhnliche Personenwagen seiner Zeit.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt beim Grundmodell bei ungefähr 90 km/h. Der Verbrauch kann je nach Zustand, Gelände und Fahrweise deutlich schwanken und liegt konstruktionsbedingt weit über dem Niveau moderner Geländewagen.

Militärfahrzeug und ziviler Geländewagen

Der GAZ-69 wurde häufig als Militärfahrzeug eingesetzt, war aber keineswegs ausschließlich für die Armee bestimmt. Seine einfache Konstruktion eignete sich ebenso für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, technische Dienste, Behörden und Arbeiten in schwer zugänglichen Regionen.

Der hintere Bereich konnte in der Basisvariante entweder Personen oder Ladung aufnehmen.

Diese Kombination aus Nutzwert, Geländefähigkeit und einfacher Technik erklärt einen Teil der hohen Produktionszahl.

Militärisch diente die Baureihe unter anderem als leichtes Transport- und Verbindungsfahrzeug. Darüber hinaus entstanden Spezialfahrzeuge auf verwandter Technik. Auch der amphibische GAZ-46 und andere sowjetische Konstruktionen verwendeten Baugruppen aus diesem technischen Umfeld.

GAZ-69 kaufen: Preise und Angebot in Deutschland

Wer heute einen GAZ-69 kaufen möchte, trifft in Deutschland auf einen vergleichsweise kleinen Markt. Angeboten werden sowohl weitgehend originale Fahrzeuge als auch restaurierte, technisch veränderte oder aus Osteuropa importierte Exemplare.

Aktuelle Inserate zeigen bei fahrbereiten Fahrzeugen häufig Angebotspreise im Bereich von ungefähr 8.000 bis 15.000 Euro.

Einzelne restaurierte Fahrzeuge werden deutlich höher angeboten. Umbauten, Fahrzeuge mit Reparaturbedarf oder abweichender Technik können dagegen darunter liegen.

Gerade beim GAZ-69 können Originalität, technische Umbauten, Zulassungsstatus und die Qualität einer Restaurierung erhebliche Preisunterschiede verursachen.

Beim Kauf prüfen

Bei älteren Militär- und Geländefahrzeugen sollte die Prüfung über den sichtbaren Karosseriezustand hinausgehen.

  • Zustand von Rahmen und tragenden Karosseriebereichen.
  • Korrosion und frühere Schweißarbeiten
  • Funktion von Allradantrieb und Geländeuntersetzung
  • Ölverlust an Motor, Getriebe, Achsen und Verteilergetriebe.
  • Originalität von Motor und Antrieb
  • Qualität älterer Restaurierungen
  • Umbauten auf fremde Motoren oder Getriebe.
  • deutsche Fahrzeugpapiere und Zulassungsfähigkeit
  • H-Kennzeichen beziehungsweise Voraussetzungen dafür
  • Verfügbarkeit passender Ersatzteile

Bei ehemaligen Militärfahrzeugen sollte zusätzlich geprüft werden, ob spätere Umbauten, Lackierungen oder technische Veränderungen dokumentiert sind. Ein äußerlich authentischer Zustand bedeutet nicht automatisch, dass Motor, Antrieb und Karosserie noch der ursprünglichen Ausführung entsprechen.

Vorgänger GAZ-67

Der direkte Vorgänger war der GAZ-67 beziehungsweise der verbesserte GAZ-67B. Diese kompakte Geländewagenbaureihe wurde während des Zweiten Weltkriegs entwickelt und bis Anfang der 1950er-Jahre gebaut.

Der GAZ-69 übernahm das grundsätzliche Konzept eines einfachen allradgetriebenen Mehrzweckfahrzeugs, erhielt jedoch eine größere Karosserie, mehr Nutzraum und eine modernisierte technische Auslegung.


GAZ-67 Vorgänger des GAZ-69Pin

Der GAZ-67 beziehungsweise GAZ-67B war der unmittelbare Vorgänger des GAZ-69.

Photo credit: Konstantin Govorov "GAZ-67" auf flickr.com, CC BY-ND 2.0 Deed Attribution-NoDerivs 2.0 Generic

Nachfolger UAZ-469

Ab 1972 löste der UAZ-469 den GAZ-69 schrittweise ab. Der neue sowjetische Geländewagen behielt die Ausrichtung auf robuste Technik und militärische Nutzung bei, war aber größer und erhielt leistungsstärkere Motoren.

Der UAZ-469 wurde ebenfalls bei Streitkräften und staatlichen Organisationen in zahlreichen Ländern eingesetzt. Damit setzte er die Rolle fort, die der GAZ-69 über fast 2 Jahrzehnte erfüllt hatte.

Während das Grundmodell des GAZ-69 mit rund 55 PS auskam, verfügten frühe Ausführungen des UAZ-469 bereits über ungefähr 75 PS. Auch Radstand und Fahrzeugabmessungen nahmen zu.


UAZ-469 Nachfolger des GAZ-69Pin

Der UAZ-469 löste den GAZ-69 ab und wurde ebenfalls militärisch sowie zivil eingesetzt.

Photo credit: Andrew Bone "UAZ 469 (1972-73)" auf flickr.com, CC BY 2.0 DEED Attribution 2.0 Generic

Rumänische und weitere Ableitungen

Die Geschichte des GAZ-69 beschränkt sich nicht auf die Sowjetunion. In Rumänien begann 1957 die Fertigung des IMS-57. Daraus entwickelten sich später der M59 und der technisch stärker veränderte ARO M461.

Die rumänische Produktion lief länger als die sowjetische und endete erst Mitte der 1970er-Jahre. Deshalb werden für den GAZ-69 teilweise unterschiedliche Produktionszeiträume genannt.

Für das sowjetische Original gilt grundsätzlich 1953 bis 1972 als Bauzeitraum.

Auch in Nordkorea entstanden Fahrzeuge auf Grundlage dieser Konstruktion. Dadurch entwickelte sich aus dem GAZ-69 eine ungewöhnlich weit verbreitete Geländewagenfamilie.

GAZ-69 als Oldtimer

Heute ist der GAZ-69 vor allem für Sammler historischer Militärfahrzeuge, sowjetischer Automobile und klassischer Geländewagen interessant. Er unterscheidet sich deutlich von komfortorientierten Oldtimern derselben Epoche.

Sein Charakter entsteht aus der einfachen Mechanik, dem offenen beziehungsweise mit Leinwand verdeckten Aufbau und der konsequenten Auslegung auf schlechten Untergrund.

Für eine individuelle Wertermittlung können Fahrzeugzustand, Ausführung und vorhandene Unterlagen berücksichtigt werden. Weitere Informationen finden Sie unter Oldtimer Bewertung.